Am 02.11.2024 fand auf dem Altöttinger Dultplatz eine Kundgebung von „Gegenwind“ statt. Auf dieser kam es zu einem offenen Schulterschluss der Bürgerinitiative mit der AFD. Damit schließt sich Gegenwind dem rechten Spektrum offen an und verliert dabei jede Glaubwürdigkeit für legitime, wissenschaftlich fundierte Kritik am Windparkprojekt im Staatsforst zu stehen. Demokratische Kritiker und Gegner von Windkraft im Wald: Formiert Euch neu!
Ungefähr 300 Kritiker und Gegner des Windkraftprojekts fanden sich am Samstag, den 02.11.2024 auf unserem Dultplatz in Altötting ein. Neben den von Gegenwind zunächst beworbenen Rednern Robert Stein (NuoViso) und Stefan Spiegelsberger (Outdoor Chiemgau) sprachen Hans Schiffbahn (die Basis), Hans Altenbuchner & Christine Neudert (BIG) und Prof. Dr. Ingo Hahn (AFD).
Neben Ingo Hahn (Fürstenfeldbruck) kamen als Vertreter der rechtsextremen AFD Martin Wieser (Mühldorf), Oliver Multusch (Mühldorf), Benjamin Nolte (Weilheim-Schongau) und Christoph Birghan (Ebersberg) zur Veranstaltung. Nicht ein Vertreter der Partei aus dem Landkreis Altötting! Keine Fachexpertise und keine regionale Ortskenntnis. Bundestagswahlkampf auf den Schultern eines vorgeblichen Umweltschutzvereins. Dazu jede Menge Falschinformationen und Irreführung. Nachfolgend ein paar Beispiele.
Deutschland hat einen sehr kleinen Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen
Herr Hahn stellte fest, dass Deutschland ja nur 2 % der CO2-Emissionen weltweit zu verantworten hätte und nutzte diese Angabe um die Übertreibung der Bedeutung darzulegen. Diese Menge ist jedoch gemessen am weltweiten Bevölkerungsanteil Deutschlands bereits das doppelte dessen, was ausgestoßen werden dürfte. Aber auch nur, wenn diese Menge für die Natur unkritisch wäre. Da die Menschheit jedoch bis zu 42 % [1] zu viel C02 ausstößt, stoßen wir als Gemeinschaft 3,45 mal so viel C02 aus, wie uns anteilsmäßig zusteht.
=> Der Ausstoß Deutschlands ist 3,45 mal so hoch, als er höchstens sein darf.
Die Amerikaner verbrennen alleine 23 % allen Öls in der Welt
Die Feststellung, dass die USA 23 % allen Öls in der Welt bereits alleine verbrauchen würden, ist ebenfalls falsch [2]. Bei einem weltweiten Gesamtverbrauch von ca. 15.000 Mtoe (Million tons of oil equivalents) und einem Verbrauch der Vereinigten Staaten von Amerika in Höhe von ca. 2.172 Mtoe entspricht ihr Anteil 14,5 %. In Relation zur Einwohnerzahl der USA zur Gesamtbevölkerung (ca. 4,2 % [3] [4]) das 3,45-Fache einer fairen Verteilung in der Welt bei unverändert hohem Verbrauch. Im Vergleich dazu: Deutschland verbraucht nach diesen Daten ca. 64 % mehr als fair wäre.
Zudem rechtfertigt der höhere Verbrauch anderer Staaten keinesfalls den eigenen, zu hohen Konsum.
=> Deutschland verbraucht mindestens 64 % mehr Rohöl als anteilsmäßig gerecht ist.
Windkraft verbraucht 3 mal so viel Energie als produziert werden kann
Diese Behauptung des Energiepolitischen Sprechers der AFD ist ebenfalls nicht haltbar. Die energetische Amortisierung der Windkraftwerke erfolgt je nach Standort und eingesetztem System lt. Umweltbundesamt (UBA) nach 2,5 bis 11 Monaten [5]. Sie würden im Mittel über ihre Lebensdauer ca. 5,2 bis 15,6 g CO2/kWh ausstoßen [6]. Das ist weniger als beinahe alle anderen Energielieferanten, die heute verfügbar sind. Nur Strom aus Wasserkraft ist geringfügig besser einzuordnen. Auch die von ihm geforderte Atomkraft erreicht keinesfalls diese Werte.

Darüber hinaus polemisierte Herr Hahn, dass die tausenden Tonnen Beton des Fundaments energetisch noch nicht einmal eingerechnet wären und am Ende im Boden verblieben. Eine weitere Falschbehauptung! Das UBA schreibt hierzu:
„Neben den Komponenten der Windenergieanlage (Fundament, Turm, Gondel inklusive Getriebe,
Generator und weitere Komponenten des Triebstranges, Nabe sowie Rotorblätter) wurden auch
die Komponenten eines Windparks (Verkabelung zwischen den Windenergieanlagen und zum
Netzanschlusspunkt sowie Umspannwerke auf See und/oder an Land) anteilig betrachtet„
Zudem: „Die Installation und der Rückbau haben ebenfalls einen geringen Anteil an den Gesamtergebnissen„.
=> Atomkraft verursacht radioaktive Abfälle und stößt mehr CO2 aus als Windkraft
=> Die Beseitigung der Anlagenfundamente sind eingerechnet
=> Windenergieanlagen im Altöttinger Forst (Schwachwindgebiet) können wirtschaftlich betrieben werden
Auf die vielen anderen nicht differenzierenden oder schlicht falschen Aussagen von Herrn Hahn soll hier nicht weiter eingegangen werden. Wichtig ist nämlich vornehmlich:
Legitime Kritik endet, wo Fakten verdreht, Menschen verunglimpft sowie Nationalisten und Rassisten in ihrem Tun unterstützt werden.
Die AFD hat kein Interesse an unseren regionalen Belangen. Sie nimmt aber die Unterstützung von Kritikern öffentlicher Projekte durch deren Anbiederung an. Dem Umweltschutz wird dabei kein Gefallen getan. Nur die Feinde unserer Demokratie profitieren.
Der Stammtisch gegen Rassismus (Aö / Mü) dankt allen Personen, die den Platz am Vorabend mit positiven Botschaften und klaren Statements pro Windkraft aus Straßenkreiden verzierten.

[1] https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2023
[2] https://energiestatistik.enerdata.net/gesamtenergie/welt-verbrauch-statistik.html
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/19320/umfrage/gesamtbevoelkerung-der-usa/
[4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1716/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerung/
[5] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-05-06_cc_35-2021_oekobilanzen_windenergie_photovoltaik.pdf
[6] https://www.bundestag.de/resource/blob/406432/70f77c4c170d9048d88dcc3071b7721c/wd-8-056-07-pdf-data.pdf
