Die „Mahnwache“ am Neuöttinger Stadtplatz lud erneut Vertreter der AFD zu Ihrer Veranstaltung als Redner ein. Es kamen die Bundestagskandidaten für die Wahlkreise Augsburg und Altötting/Mühldorf.
Der Kandidat für unseren Wahlkreis, Andreas Wahrlich, ist ehemaliges FDP-Mitglied und in seiner Ablehnung gegenüber Flüchtlingen in unserem Land sowie ihrer menschenwürdigen Unterstützung gefestigt. In seinem Youtube-Video, mit dem er sich für das Direktmandat für den Bundestag bewirbt, steht er vor dem Töginger Containerbau in der Amperstraße und bezeichnet die Finanzierung von Unterkünften für Schutzsuchende durch Steuermittel als „Verschwendung“. Viel besser wäre es, „diejenigen abzuschieben, die kein Bleiberecht in diesen Land haben“.
Diese Themen vermischen zweierlei. Einerseits werden ohnehin diejenigen ausgewiesen, die kein Bleiberecht haben. Andererseits schreiben Grundgesetz und Menschenrechte eine angemessene Unterkunft und Asyl für Verfolgte vor. Er kann die Unterbringung als Verschwendung betrachten, aber sie umgehen kann seine Partei selbst nach einem Wahlsieg nicht. Nicht im rechtskonformen, im grundgesetztreuen Rahmen. Mit diesen Äußerungen schafft Herr Wahrlich folglich nur eines: Die Menschen betrachten sich als Konkurrenz, obwohl sie nicht konkurrieren können.
Herr Wahrlich will spalten. Daher ist er kein geeigneter Kandidat für den Bundestag. Aus diesem Grund entschlossen sich einige Mitglieder des Stammtisches zu einer Kundgebung aufzurufen. Eine Kundgebung am Neuöttinger Stadtplatz.

Ein Aufruf, der auf den Kanälen der Rechtsextremen mit einer Drohung gegen die Teilnehmenden beantwortet wurde.
Sie schrieben auf ihrem Instagram-Kanal: „Unsere geliebten linksextreme Antifanten sind auch am Start. Zeigen wir denen, wer das Sagen hat✊“ (sic.) Abschätzig und beleidigend geben sie klar zu verstehen, dass wir nichts zu melden haben. Es gilt keine andere Meinung als ihre. Das zeigt deutlich, wie ausgeprägt das Demokratieverständnis innerhalb der AFD und ihrer Anhängerschaft ist.
Zudem wird deutlich, dass der*die Verfasser*in der Drohbotschaft nicht mit unserem Stammtisch als überparteiliches Netzwerk vertraut ist und gerne pauschal alle Kritik an der eigenen Gruppierung als linksextrem einordnet. Zur Klarstellung: Im Stammtisch sind alle „Nicht-Rassist*innen“ gerne gesehen. Auch die Antifa. Aber eben nicht nur. Wir freuen uns über das Engagement aller Menschen für eine pluralistische und friedfertige Gemeinschaft.

Die Polizei sicherte unsere Kundgebung mit ca. 10 Fahrzeugen und 40 Einsatzkräften sowie einer zeitweisen Vollsperrung des Stadtplatzes. Hierfür bitten wir Berufspendler*innen und Anwohner*innen um Entschuldigung. Angestrebt und mit dem Landratsamt Altötting abgesprochen war im Vorfeld eine offene Straße, um den Pendelverkehr nicht zu beeinträchtigen. Die Einschätzung der Lage durch die Polizei erforderte hier jedoch ein anderes Vorgehen. Auf das provokative Erscheinen von Herrn Martin Wieser (AFD) auf unserer Kundgebung wurde besonnen und zurückhaltend reagiert. Er zog von selbst wieder ab. Wir danken den Einsatzkräften für die Sicherung des Platzes und die gute Zusammenarbeit.
Mehr als ein Jahr nach dem Auftritt von Beatrix von Storch auf einer Mahnwache ohne organisierte Gegenveranstaltung konnte nunmehr eine größere Anzahl an Gegner*innen als Befürworter*innen der rechtsextremen Partei mobilisiert werden. Viermal so viele Standen auf der Seite für Pluralismus, Fakten und Antirassismus als noch vor einem Jahr. Noch in kleinem Rahmen, mit ca. 50 Besucher*innen der Kundgebung gegen die Gäste der Mahnwache, aber deutlich gewachsen formierten sich die Freund*innen der Vielfalt in Neuötting und Umgebung erneut. Das Titelbild des Artikels zeigt die „Mahnwache“ etwa 15 Minuten nach Beginn der Veranstaltung. Sie wuchs noch auf ca. 30 Personen an.
Auf unserer Kundgebung sprachen vier Redner*innen. Es startete Jürgen Gastel, der gleich im Anschluss seiner Rede einen weiteren Termin in der Sitzung des Behindertenbeirates hatte. Jürgen Gastel – Fraktionssprecher der SPD im Stadtrat Neuötting – betonte gleich zu Beginn seiner Ansprache die Wichtigkeit von Integration, Inklusion und Migration. Er griff darin die Rechtextremen scharf an und bezeichnete ihr handeln als „Kampfansage an die Grundlagen eines freien und guten Zusammenlebens“.
Zusammengefasst traf folgender Auszug seiner Rede den Nerv der Anwesenden:
- „Wir wollen keine Ausgrenzungen.
- Wir wollen keine Keile, die in unsere Gesellschaft getrieben werden
- Wir wollen keine Aussonderung
- der Schwächeren,
- derer die nicht in der Mehrheit sind,
- derer die anders denken,
- die die eine andere Hautfarbe und Herkunft
- oder eine andere sexuelle Ausrichtung haben.
- Wir wollen keine Schlechterstellung des weiblichen Geschlechts.
- Wir wollen keine Teilung der Gesellschaft nach religiöser Zugehörigkeit
- Wir wollen und wir müssen unserer Demokratie und unsere Freiheit verteidigen„
Jürgen, Danke für Deine Worte und vielen Dank für Dein unermüdliches Engagement.

Nachfolgend trat Cathrin Fernando von Bündnis 90/Die Grünen auf. Sie trug ihr Werk, die Ode an den AFD-Wähler vor.
Sie forderte darin den AFD-Wähler – selbstverständlich ungegendert – auf, vermeintlich einfache Lösungen zu hinterfragen und eine Wahlentscheidung mit Vernunft und der eigenen, guten Erziehung zu treffen. Denn „es gibt Dinge die tut man nicht“. Auch vom Stammtisch also die Aufforderung: „Hör auf dein Herz, auf die Vernunft und den Verstand – Gib einem echten Miteinander eine Chance in diesem Land“.
Danke Cathrin. Dein Gedicht ist treffend formuliert und wir freuen uns, es weiter unten in Gänze veröffentlichen zu dürfen.

Auch Cin Wang, Geschäftsmann aus Burghausen und Stammtischgänger, zweifelt den Gehalt der Standpunkte der „politischen und geistigen Sparflammen“ von der AFD an. Er sieht das Handlungsmuster der AFD in Verunsicherung durch die Generierung von multiplen Krisen. Krisen, die keine sind. Sich zu sorgen sei gut, aber die Besorgnis ist mittels Dialog auszuräumen. Zudem gibt es wichtigere Themen als die von ihm benannten AFD-Krisen, die politische Beachtung erfordern.
Cin, vielen Dank auch für Deine Ansprache. Deine Direktheit gegenüber dem politischen Gegner hat die Teilnehmer*innen der Kundgebung sehr gefreut.

Zum Schluss trat Claudia Lewin ans Mikrofon. Claudia vertrat das sich derzeit neu grünende Bündnis für Respekt, Vielfalt & Demokratie. Sie erteilte den Populist*innen und ihrer Strategie der Angst eine klare Absage. Der Islam ist für sie als Christin eine schöne Religion. Als privilegierte weiße Frau empfindet sie es als ihr Pflicht, ihre Stimme für die Geflohenen zu erheben. In Ihrer leider viel zu kurzen Ansprache stellte sie dabei klar, dass die Kinder, die sie sieht, sind wie alle Kinder dieser Erde. Die Mütter wie alle Mütter. Und Du hast recht! Danke Claudia.

Auch an alle Zuhörer*innen auf dieser Kundgebung einen herzlichen Dank. Eurer Erscheinen machte es möglich, mehr zu sein. Mehr zu sein als diejenigen, die Hass und Hetze verbreiten, die die Gesellschaft spalten wollen und einen Wandel ein autoritäres System zumindest billigen würden.
Wir sind mehr. Wir bleiben mehr!
Jürgen Gastel
Unsere Solidargemeinschaft in Neuötting lebt nicht von Ausgrenzung – sondern von Integration, Inklusion und Migration
Wir stehen für ein Neuötting als gastfreundliche Stadt und als Integrationsgesellschaft. Auf diese Willkommenskultur in Neuötting können wir stolz sein.
Wir stehen dabei für ein gemeinsames Leben in einer guten Gesellschaft, verbunden mit der Gewissheit, dass man Respekt erfährt und dazugehört, unabhängig davon, ob man Wurzeln hat, die in andere Länder reichen.
Wir stehen für eine moderne und solidarische Gesellschaft, die von der Vielfalt in unserer Stadt in unserem Land und Europa lebt.
Wir wollen keine Ausgrenzungen.
Wir wollen keine Keile, die in unsere Gesellschaft getrieben werden
Wir wollen keine Aussonderung
– der Schwächeren,
– derer die nicht in der Mehrheit sind,
– derer die anders denken,
– die die eine andere Hautfarbe und Herkunft oder
– eine andere sexuelle Ausrichtung haben.
Wir wollen keine Schlechterstellung des weiblichen Geschlechts.
Wir wollen keine Teilung der Gesellschaft nach religiöser Zugehörigkeit
Wir wollen und wir müssen unserer Demokratie und unsere Freiheit verteidigen
Unsere Eltern und Großeltern haben für ein Deutschland gekämpft in dem Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität die Grundbausteine unseres Miteinander waren. Lasst uns diesen Kampf weiterkämpfen.
Die größte Gefahr für unsere Demokratie ist der Rechtsextremismus.
Der Rechtsextremismus ist keine politische Meinung oder eine Strömung, die man einfach so hinnehmen kann-, Rechtsextremismus ist eine Kampfansage an die Grundlagen eines freien und guten Zusammenlebens.
Immer wieder wird versucht bei den Auseinandersetzungen und Diskussionen in unserer Gesellschaft einen Keil der Spaltung einzuschlagen.
Egal welche Themen uns beschäftigen; Ob in der Corana-Pandemie, bei der Einführung der Impfung, bei der Bewältigung der Energiekrise oder wie jetzt bei uns in der Region bei dem Bau der Windpark Anlage im Altöttinger und Burghauser Forst.
Das System ist immer wieder das gleiche.
Mit Halbwahrheiten, gezielter Desinformation und auch 100 % Fake News wird immer wieder versucht eine bestehende Gemeinschaft zu spalten. Diese Keile werden immer und immer wieder eingeschlagen. Und leider – immer wieder gelingt es den Urhebern einige der „Abgesplitterten “ für ihre Ideen zu gewinnen.
Es freut mich das die schweigende Mehrheit die Freiheit und Demokratie verteidigen will auch bei uns allmählich laut wird. Es ist an der Zeit, dass wir die wertvollen, friedlichen Strukturen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten geschaffen wurden, dauerhaft fördern, absichern und ausbauen.
Dabei müssen wir auch den Schutz von und die Hilfe für Opfer von Hass und Hetze stärken. Wir müssen auch als überzeugte Demokraten gegen die Hetze und Verleumdungen mit allen Mitteln die uns zur Verfügung stehen vorgehen.
Es sind Ablenkungsmanöver wie diese Empörung, die uns davon ablenken sollen, dass Terroristen festgenommen wurden, die der Partei die für nichts eine Alternative ist, nahe stehen.
Wir müssen uns aber mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, die unser Rechtsstaat bietet gegen diese Angriffe wehren.
Es darf nicht passieren, dass sich die Täter immer wieder in der Opferrolle präsentieren. Immer wieder stellen sie sich als die Verfolgten dar – als diejenigen die ihre Meinung nicht sagen dürfen.
Seit Jahren müssen wir und die Anwohner hier am Stadtplatz uns den Mist der Mahnwachen, ihre freie Meinungsäußerung – am Donnerstagabend anhören.
Aktuelles Beispiel ist auch wie jetzt leider geschehen diese Partei, die zu nichts gut ist, behauptet in Thüringen und Sachsen – die Mehrheit der Wähler habe sie gewählt und die demokratische Entscheidung der Wähler wird missachtet weil sie nicht in die Regierungsverantwortung kommen.
Auch wenn sie 30 % erreicht haben aber 70% der Wählerinnen und Wähler haben sie NICHT gewählt – das ist die Mehrheit.
Lasst uns zusammenstehen im Kampf gegen Falschinformationen!
Und engagiert euch auch in den Parteien die Politik mit Fakten machen.
Nur wer sich engagiert kann auch tatsächlich mitbestimmen und mitgestalten.
[Original Redeskript]
Cathrin Fernando
Ode an den AFD-Wähler
Wenn dir jemand eine einfache Lösung verspricht
– Glaub sie nicht!
Vielleicht denkst du zuerst darüber nach
was die andre Seite sprach.
Und vor allem: Warum?
Denn bist du nicht dumm
und glaubst eben nicht nur dem, was einfach klingt
Passiert etwas mit dir, was über dein bisher Vorstellbares springt:
Du erkennst wie das Leben wirklich funktioniert.
Denn das ist eigentlich schnell kapiert:
Es gibt nicht nur die eine Sicht der Dinge.
Und auch, wenn ich manchmal ganz arg mit mir ringe,
Das ist die Demokratie!
Und einfach sind Dinge nie!
Im Gegenteil, du musst dich für deine Belange stetig einsetzen.
Aber das funktioniert nicht durchs Hetzen,
Nicht mit Hass und nicht mit Wut.
Es funktioniert mit deinem Herz und deinem Mut,
Dinge mal aus einer neuen Perspektive sehen,
sein Gegenüber lernen zu verstehen.
„Miteinander“ nicht nur fordern, sondern leben.
Nicht nur haben wollen, auch mal geben.
Und wenn dich mal wieder ärgert deine Ungeduld
Merk dir eins: „Der Ausländer“ ist nicht schuld!
Da fällst du wieder auf die einfachste Lösung rein.
Wieso sollte der für deine Probleme verantwortlich sein?
„Gut Ding will Weile haben!“
Ist das nicht eine Lebensweisheit, die auch deine Eltern dir mit auf den Weg gaben?
Weil wir das Thema ja schon hatten:
Spring mal über deinen Schatten!
Jetzt sieh dir mal mit deinem Herz, mit Vernunft und Mut die andere Seite an:
Was, wenn das sogar Teil der Lösung sein kann?
Für diese Lösung braucht es Zeit, Tatkraft und Ideen.
Ja! Das ist nicht einfach! Aber ich wünschte du könntest es verstehen:
Nur so verändert man die Welt,
Nur wenn man auch zusammenhält.
Nicht, wenn man auf den Populismus hört.
Hatten wir das nicht schon versucht und hat das nicht das halbe Land zerstört?
Also wach auf, besinn dich deiner echten Werte!
Erinner dich daran, was die Geschichte uns lehrte!
Stell dir vor wie deine Oma spricht:
„Es gibt Dinge, die tut man nicht!“
Und dazu gehört, dass man die AfD nicht wählt,
Weil denen jeglicher Anstand fehlt.
Also hör auf dein Herz, auf die Vernunft und den Verstand
Gib einem echten Miteinander eine Chance in diesem Land.
Und folge lieber einer ganz einfachen Idee:
Mehr Liebe. Weniger Afd.
© Cathrin Fernando
Cin Wang
Servus zusammen,
Um was geht’s eigentlich und wieso stehen wir hier heute? Wir stehen hier, weil dort drüben die AfD und deren Kandidat Andreas Wahrlich steht. Er vertritt eine Partei, die ihren Hass und ihre Propaganda verbreitet mit seltsamen Meinungen und teils Lügen: Damit wollen Sie Menschen verunsichern und Sie von ihrer Partei überzeugen.
Vor allem das Verunsichern geschieht mit dem Wort Krise.
Die Migrationskrise, obwohl die Migrationszahlen rückläufig sind.
Die Lockdownkrise. Obwohl nicht ansatzweise ein Lockdown in Sicht ist.
Es werden Ängste beschworen, um damit Stimmen zu fangen für die anstehende Wahl. Immer wieder soll die gleiche Angst geschürt und angefacht werden. Migration, Lockdown und allgemein gehe es Deutschland zu schlecht und es ist zu unsicher in diesem Land. Damit wird das eigene Volk gezielt verunsichert. Aber Politik ist dafür da dem Volk Sicherheit geben. Politik ist für eine Gesellschaft und versucht diese nicht zu verunsichern und zu spalten. Doch genau das liest man in deren Wahlprogramm. Ich habe die Landtagspositionen gelesen, Migrationskrise, Lockdownkrise und als nächstes eine bröckelnde europäisch Fahne. Deutschland muss den Euro-Raum verlassen. Ich denke damit ist der „Euro“, die Währung gemeint.
Wäre das ein Ziel die Errungenschaften der Europäischen Union zurückzudrehen? Wäre das wirklich wünschenswert? Was würde aus uns, aus der großen europäischen Idee?
Es wäre ein zurückdrehen der Weltgeschichte, der Weltpolitik und der Fortschrittlichkeit. Ich weiß das ist keine Lokalpolitik und ich bemühe den Vergleich mit dem Feuer. Es wird auf lokaler Ebene mit der großen Politik gezündelt und so wirds zum Brandbeschleuniger für die große Fläche. Und aus dem Flächenbrand entwickelt sich ein Großbrand… Doch halt, wo führt das hin? Mit Feuer spielt man genauso wenig wie mit Ängsten.
Es gibt keine Lockdownkrise, das war damals der letzte verzweifelte Versuch, eine außer Kontrolle geratene Seuche einzudämmen.
Es gibt auch keine Migrationskrise. Es ist vielmehr eine humanitäre Not. In welcher wir Hilfe suchenden Menschen ein Obdach bieten. Und das gebietet uns das Menschsein, das, was uns als Mensch und unsere Gesellschaft ausmacht. Als Gesellschaft wird die Gesamtheit der Menschen gesehen und daher täten wir gut daran allen Menschen die Möglichkeit zu bieten Teil dieser, unserer Gesellschaft zu sein. Mehr Inklusion statt Exklusion! Mehr Empathie und Respekt, einfach mal miteinander reden. Natürlich kann man nicht immer und mit allen Reden. Das ist nun mal leider tatsächlich so, aber man muss es doch versuchen? Zum Reden gehört eine gendergerechte Sprache genauso dazu wie die Vielfalt des Menschen anzuerkennen und damit meine ich sehr wohl auch die Geschlechtervielfalt und die Geschlechteridentität. Das alles gehört zu uns und ist ein Teil von uns als Menschheit.
Nun ich will hier nicht bestehende Ungleichgewichte Anprangern.
Ich will hiermit nur verdeutlichen das es noch relevantere und ernst zu nehmende Punkte für eine vernünftige Politik gibt. Die da drüben haben eine Krisengeleitete Politik und eine Politik die eindeutig gegen andere Personengruppen ausgerichtet ist. Krisen, Ängste und eindeutige Schuldige.
Ich tue mich schwer den Vergleich mit 1933 zu ziehen aber noch schwerer ihn abzustreiten. Soweit sind wir nicht. Es gibt die freie Meinung, guten Journalismus und wir können weiterhin Gegendemos veranstalten. Es liegt an allen Menschen dieses Landes die Bedrohung von rechts zu realisieren und zu verhindern. Denn diese Bedrohung ist real.
Aber nun spiele auch ich mit dem Feuer.
Ich wünsche ich mir einem Dialog miteinander statt Monolog übereinander.
Habt keine Angst und fürchtet euch nicht. Auch den Idioten dort drüben werden die Krisen ausgehen und die Ängste zum Schüren.
Freunde und Freund*innen steht auf und redet miteinander. Redet klar und sprecht eure Sorgen aus, denn besorgt zu sein ob der Dunkelheit das darf man ja! Angst davor soll man aber keine haben.
Unsere Intelligenz und unsere Weltoffenheit, unser Fortschritt und klares Denken ist ein helles Licht im Angesicht der verblendeten, demokratiefeindlichen Politik der AfD.
Lasst uns heller leuchten als das diese politischen und geistigen Sparflammen dort drüben ihren Schwachsinn verbreiten können.
[Original Redeskript]
Claudia Lewin
Ich sprech‘ als Vertreterin des Bündnisses für Respekt, Vielfalt & Demokratie in Altötting. Ich sprech‘ als Therapeutin, die tagein tagaus mit den Menschen arbeitet vor denen ich gewarnt werde von dieser Partei. Ich spreche als eine weiße, privellegierte Frau, die in einem demokratischen Land hieneinwachsen durfte – nach der Wende – aus einer Diktatur kommend, die den Luxus hat Bildung genießen zu können, ein Gesundheitssystem genießen zu können.
Und gerade weil ich so privilegiert bin, bin ich in der Verantwortung, meine Stimme für die zu erheben, die es eben nicht haben, die geflohen sind weil all das nicht ihr Alltag ist. Und ich merke wie dieser Populismus der sich hier so breit macht mit Halbwissen, mit Halbfakten und mit Unwahrheiten diese Ängste schürt durch eine Gesellschaft hindurch. Der Unsicherheiten schafft. Und ich möchte gegen diese Ängste sprechen gegen diese Islamophobie.
Ich erlebe nämlich Kinder, die in der Schule fleißig sind und faul, die lustig sind oder ernst die speilen, die lachen, die sich raufen, so wie alle Kinder dieser Welt. Und ich erlebe Mütter, die Sorgen haben, wie alle Mütter dieser Welt. Schafft mein Kind in die Schule? Kommt es gut an? Ist es in diesem Land noch sicher in das wir geflüchtet sind?
Ich erlebe Erwachsene mit denen ich in Dialog treten kann über ihre Religion über ihr Land, die sehr kritisch auch auf ihre eigene Religion blicken. Und ich erlebe mich als Christin und ich muss sagen, auch mein Christentum hat eine hässliche Seite. Aber das ist nicht die Religion. Sondern das ist der Terrorismus und das was uns beschrieben wird als islamische Gefahr, das ist Terrorismus und das ist nicht der Islam.
Denn der Islam ist eine schöne Religion. Und dahin möchte ich kucken. Islam heißt Frieden und Schalam ist der Friedensgruß. Diese Religion hat so viel schönes und heiteres und so viel respektvoll verbindendes, ich habe keine Angst. Ich habe keine Angst davor. Angst macht mir Polulismus, der mir Angst einreden will. Angst machen mir Menschen, die mir den Mund verbieten wollen. Angst macht mir eine Gesellschaft, die noch zu leise und zu still ist und sich noch zu wenig erhebt, gegen das, was hier passiert.
Und ich möchte zum Schluss Martin Niemöller zitieren, der zwischen 33 und 45 oft geschwiegen hat. Und der hat hinterher einen Text geschrieben, der geht so:
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als die Nazis die Juden deportierten habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
In diesem Sinne, lasst uns laut sein und eine Sprache finden.
[Aus Aufzeichnung dokumentiert]